New York. Vom Ankommen beim Gehen: Über das unermessliche Empathievermögen eines New Yorker Taxifahrers.

Mein Wecker sollte eigentlich um halb vier klingeln. Tat er sicher auch. Nur leider habe ich nichts gehört. Erst als ich das nichtgehörte Klingeln meines Weckers bemerkte, läuteten in meinem Kopf die Alarmglocken. Departure New York.

Zwei Monate Praktikum in New York, meiner Lieblingsstadt, waren vorbei. Und der coolste Taxifahrer der Welt verlieh dieser Zeit ein würdiges Ende, weit nach Fünf auf meinem letzten Weg in New York: Von Astoria  (Queens) zum JFK international Airport. Mit einem Gefühl aus Adrenalin (werde ich es pünktlich zu meinem Flieger schaffen?) und einem Gefühl der Leere (ich will hier nicht weg!) saß ich in einem New Yorker Taxi. Kaum Verkehr, als wir über den Highway düsten, die Skyline huschte zum letzten mal an meinem Gesicht vorbei: anonyme Vertrautheit. Und mit dem Verschwinden der Skyline aus meinem Blickfeld überkam mich ein Gefühl der Dankbarkeit und Trauer.

Ab morgen würde ich nicht mehr in einem Büro auf der 5th Avenue mit Blick zum Chrysler Building meiner Arbeit nachgehen. Ich würde nicht mehr vor der Arbeit im Bryant Park sitzen, meinen Kaffee schlürfen und den frühen Morgen genießen, wo ich doch eigentlich überhaupt kein Morgenmensch bin. Der Smalltalk mit meinem mexikanischen Hausmeister, der nach 30 Jahren in NYC nicht mehr als zehn Worte englisch sprach (und auch diese zehn Worte eher Spanglish-Charakter hatten) passé. Nicht mehr heimlich aufs Dach meiner Bleibe in Queens klettern und beobachten, wie sich der Himmel über der Skyline New Yorks orange-rosa färbt. Nicht mehr wahllos durch die Stadt irren mit einem Lächeln auf den Lippen: Für mich reichte die Tatsache in New York zu sein schon aus, selbiges hervorzurufen. Keinen Frozen Yogurt mit bunten Toppings mehr, wo er doch nirgendwo so gut schmeckt wie in New York. Auch das Gefühl, in der Hauptstadt der Welt, mittendrin, am Puls des Geschehens zu sein, wäre ab morgen nicht mehr da.

Naja, immerhin wieder ordentliches Schwarzbrot, ab morgen. Immerhin.

Und da war sie: eine Träne auf meiner Wange. Vielleicht auch zwei. Wieder einen Traum gelebt. Plötzlich stellt mir der coolste Taxifahrer der Welt die passendsten Fragen, die man mir in dieser Situation stellen konnte: Do you want a cookie? No, thanks. Do you want a cigarette? Yes! Dann nur noch Stille. Und so saß ich im Taxi in New York, der Stadt, in der, wenn es nach Mr. Bloomberg ginge, Zigarettenschachteln bald unter den Ladentheken verschwinden würden, in einem yellow cab und rauchte während die Lichter der Metropole langsam aus meinem Blickfeld verschwanden, die melancholischste Zigarette meines Lebens.

Kurz vor dem Gehen fühlte ich mich so angekommen und verbunden mit einer Stadt wie selten zuvor (und danach).

Ganz viele tolle Bilder aus der Zeit in New York: hier.

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