Ethiopia. Schlendern am Krokodilstrand und unhappy Hippos.

Manche Dinge macht man nur einmal im Leben. Zurecht:

Nach einer mehr oder weniger turbulenten Busfahrt auf unbefestigten Straßen in einem überfüllten Bus (genau so wie man sich das in Äthiopien eben so vorstellt), waren wir in Arba Minch, im Süden Äthiopiens angekommen. Und es dauerte nicht einmal eine Stunde, bis wir stadtbekannt waren. Ohne etwas dafür getan zu haben. Die weiße Hautfarbe und die blonden Haare in einem ohnehin nicht touristischen Gebiet während der Regenzeit  vollkommen ausreichend um in Arba Minch in Windeseile den Bekanntheitsgrad eines Nelson Mandela zu erreichen. Im fünf-Minuten-Takt „begegneten“ uns Reiseführer ausschließlich solche, die es noch werden wollen  und erzählten uns vom zu Fuß begehbaren nahegelegenen Nechisar Nationalpark. Überredet.

Aufgrund der Regenzeit waren die Wege kaum befahrbar und schon allein die Anreise zum Chamo-See war abenteuerlich. Aber im Vergleich zu dem, was mir danach noch an Adrenalinausschüttungen bevorstehen würde, glich die Fahrt dann wohl doch eher einer Kaffeefahrt auf dem Rhein. Wie gesagt, im Verhältnis.

Schon als ich das bescheidene Holzmotorboot enterte und den Chamo-See zum Nechisar-Nationalpark hin überquerte, verdrängte ich mein Wissen darüber, dass es in diesem See nur so von Krokodilen wimmelte und es für solche Riesenexemplare wohl ein leichtes wäre, mich für immer in den Katakomben des Chamosees verschwinden zu lassen. Bereits während der Fahrt erblickten ich mal hier, mal da ein Exemplar. Der Park rückte immer näher und schon aus der Ferne waren sonnenbadende Krokodile am Strand zu sehen. Nice. Nur leider war der Strand gleichzeitig der Eingang in den Nationalpark. Finde den Fehler. „So, wir steigen jetzt aus.“ Was? „Wir müssen hier raus um zum Nationalpark zu gelangen.“ „Ich steige nicht aus. Ich bin zwar abenteuerlustig aber nicht lebensmüde.“ Am Ende resignierte ich und setzte meine Füße auf den Krokodilstrand. Warum, kann ich mir bis heute noch nicht erklären. Ich befand mich ungeschützt an einem Ort, an dem es um mich herum nur so von Krokodilen wimmelte:

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Obwohl es im Nationalpark wunderschön war und ich Zebras und Antilopen in ihrem Alltag beobachten konnte,  genoss ich keine Sekunde des Aufenthaltes, da ich mich die ganze Zeit fragte, wie ich lebend auf dieses verdammte Boot zurückkommen würde. All die Horrorstories aus Australien oder Mexiko schossen mir durch den Kopf, ich wollte keine von diesen Personen sein, über die man später sagen würde: Sie wurde von einem Krokodil gefressen. Ziemlich uncooler Tod. Zumal ich mir der Gefahr bewusst war, als ich meinen Fuß auf den Sand setzte. Aber wie ihr lesen könnt: Ich habe überlebt :).

Mit der Krokodiltuchfühlung war es bei diesem Ausflug aber noch nicht getan mit Adrenalinausschüttungen. Sicher auf dem Boot zurück, entdeckte ich Nilpferde in der Ferne. Freudig wies ich unseren Bootsführer darauf hin, nichtahnend, dass dieser Holzkopf, ein selbsternannter Möchtegern-Guide (der seine Zigaretten im Nationalpark in der Natur entsorgte), mit Vollgas auf die Nilpferdherde zuraste. Unser Boot kam zum Stehen, fassungslos beobachteten ich, wie sich ein durch unsere Anwesenheit ausgesprochen unhappy Hippo aufbäumte, abtauchte und auf unser Boot zusteuerte. Diesmal war auch von der Coolness des Guides nichts mehr zu spüren, verzweifelt brachte er das Boot wieder zum Laufen und wir fuhren davon. Stille. Die einzigen Worte, die mir noch über die Lippen kamen waren: „Wenn wir hier lebend rauskommen, spendiere ich ein Bier.“ Das tat ich dann auch. An diesem Abend blieb es nicht nur bei einem…

Kleiner Tipp am Rande: Ein Restaurant mit wunderschönem Ausblick auf den Abajasee und den Chamosee ist das Bekele Mola. Eine absolute Ruheoase mit Blick (aus sicherer Entfernung) zum Krokodilstrand.

Bilder zu Äthiopien: hier.

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