Warschau. Wo der Pulsschlag hörbar ist.

Was soll schon schief gehen beim Flug, wenn der Pilot Andreas DuMont heißt und dessen Stimme verspricht, die Altersmarke von 40 überschritten zu haben. Denke ich mir, während ich im Flugzeug auf dem Weg nach Berlin sitze, fünfte Reihe links außen, Fensterplatz. Und nichts erscheint mir in diesem Moment passender, als einen Beitrag über meine Summer School in Warschau zu schreiben. Denn…

…jedes Mal, wenn ich damals durch die Straßen Warschaus schlenderte, dachte ich mir: „So muss es in Berlin vor 20 Jahren gewesen sein.“ Ob das stimmt: Keine Ahnung, werde ich wohl auch nicht mehr nachprüfen können. Fakt jedoch ist, dass es in Warschau brodelt. Der Aufschwung ist spürbar. Das gilt für die prächtig gedeihende, trendige Künstler- und Kulturszene genauso wie für den Bildungssektor. Egal, mit welcher Person meiner Generation ich gesprochen habe – ob BWL- oder Politikstudent, ob Musiker oder Grafikdesigner – alle schienen sie Pläne, Ziele, Ideen zu haben. Gepaart mit dem Ehrgeiz zur Umsetzung. Planlosigkeit, nicht wissen, welche der tausend Möglichkeiten die richtige ist? Solche Gedanken scheint es bei jungen Polen nicht zu geben, zumindest bei denen, die ich kennen lernen durfte nicht. Sartre könnte mit seinem Spruch, wonach der Mensch zur Freiheit verurteilt sei (womit er bei mir von Zeit zu Zeit auf Verständnis stößt), einpacken. Diese Motivation junger Polen, die spürbare Antriebskraft und der Tatendrang haben mich tief beeindruckt.

Und dann diese Pierogi, die es mir als Liebhaberin deftiger Küche angetan haben. Teigtaschen, gefüllt mit allerlei Kraut, Gemüse oder Fleisch; gekocht, gebacken oder frittiert. Einziges Manko: Diese kleinen, unschuldig aussehenden Köstlichkeiten bewegen auch den Zeiger der Waage von Tag zu Tag weiter nach rechts. Egal.

Jetzt stehe ich vor dem Problem, wie ich die Brücke weg von Pierogi hin zu meinem Besuch in Auschwitz  essentieller Teil meines Aufenthaltes  schlage. Geht nicht, dann eben ohne Übergang…Oder doch nicht. Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass kein Buchstabe, kein Satz im bescheidenen Rahmen dieses Blogs ansatzweise dem gerecht werden könnte, das zu beschreiben, was in mir vorging, als ich Auschwitz besucht habe. Und den betroffenen Menschen schon gar nicht. Deshalb lasse ich es und lösche die Zeilen, die ich darüber geschrieben habe. Nicht aus Feigheit, sondern aus Demut. Punkt.

…wir nähern uns Berlin. Andreas DuMont wünscht uns Passagieren einen schönen Abend im windig verregneten Berlin. Während ich diesen Beitrag geschrieben habe, ist die Entscheidung gefallen, wozu ich meine Freunde heute Abend verdonnern würde: mit mir eine Pierogeria in Berlin aufzusuchen, danach den Abend mit einem „Piwosesokjemsokjemmalinovem“ (mit Sicherheit vollkommen falsch geschrieben, Bedeutung: Bier mit Himbeersirup) polnisch ausklingen zu lassen. Nastrovje…

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